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Wie vertrauenswürdig sind inspirierte Texte?

Die Mehrzahl aller Schreibenden schreibt eigenverantwortlich, einem inneren Kreativdruck folgend, der es ermöglicht, fließend und ohne große Anstrengung Texte zu Papier zu bringen aus einem freigiebig nachfließenden Ideenpool. Aus dieser Gruppe rekrutieren sich die „normalen“ Schriftsteller.  Daneben gibt es eine sehr kleine, unauffällige Gruppe von Schreibenden, die nicht nur Anschluss an einen kreativen Ideenpool haben, sondern auch noch angeschlossen sind an eine Kontaktstelle in ihrem eigenen Inneren, die über das Spenden von Ideen auch noch Diskussion zum Thema anbietet, d. h. die Möglichkeit für den Schreibenden, sich nach innen rückzuversichern, ob sich das Geschriebene auch in Einklang  befindet mit dem höheren Willen im zum Schreiben Berufenen.  Diese Qualität ist dem normalen Schriftsteller ganz fremd.  Man könnte  letztere Gruppe auch „aus der bewusst wahrgenommenen Inspiration schreibend“ bezeichnen.  Sie unterscheiden sich von den gängigen Schriftstellern als „im Auftrag schreibend“, nicht aus eigenem Ermessen heraus handelnd.  Sie können ihre innere Quelle nicht willkürlich anzapfen, sondern sind angewiesen auf einladende Impulse, welche die Kreativität freistellen.  Allerdings müssen die zu schreibenden Inhalte übereinstimmen mit den Zielvorgaben der kreativen Instanz, welche das Schreiben primär auslöst.  Es handelt sich also nicht um freies Texten, sondern um Wiedergabe bestimmter Botschaften, welche der inspirierende Geist umgesetzt haben möchte.

Nun glauben die meisten Menschen nicht an die Existenz einer intelligenten Instanz im Menschen selbst, die sich unterscheidet von der ich-bewussten Persönlichkeit des Menschen, und die in der Lage ist, sich abweichend von dem zu artikulieren, was der Mensch selber glaubt.  Ist eine solche Botschaft konstruktiv, logisch nachvollziehbar und sozial integrativ für den Übermittler, so kann man getrost von einer intelligenten Kontaktaufnahme aus der Über-Ich-Sphäre des Menschen sprechen.  Ist die Botschaft statt dessen destruktiv, unlogisch und desintegrativ für die soziale Einbindung des Übermittlers, so ordnet man dasselbe Phänomen – nämlich eine Kontaktaufnahme aus dem eigenen Inneren – unter die psychotischen Entgleisungen ein.

Kommt nun eine solche konstruktive Botschaft zur Wahrnehmung von anderen Menschen, so wird der Mensch oft konfrontiert mit anderem Denken, das ihm erstmal fremd ist.  Hier ist der eigene Verstand gefragt, ob die dargebotenen Gedanken logisch nachvollziehbar sind, entsprechend kann man reagieren, sich für Zustimmung oder Ablehnung entscheiden.  Bietet der dargebotene Text hingegen eine Vorhersage, so kann der Mensch nicht mit den Mitteln seines Verstandes reagieren, weil dieser überfordert ist mit der Beurteilung einer Zukunftsschau.

Die weltweit bekannteste Zukunftsschau ist die Johannes-Offenbarung aus dem Neuen Testament der Bibel.  Hier werden viele metaphorische Bilder dargeboten, welche die Unzulänglichkeit des Menschen, die Zerstörung der Natur und die Verärgerung Gottes über die Unvernunft des die Natur zerstörenden Menschen thematisieren. Die Vorhersage gipfelt in der Ankündigung eines regulierenden, Macht entziehenden Eingreifen Gottes ohne Zeitangabe und ohne Preisgabe seines genauen Vorgehens.  Die Vorhersage ist somit unscharf, vage und präzise zugleich.  Unscharf und vage sind Zeitpunkt und die Art des Eingreifens Gottes, präzise ist die Beschreibung einer weitgehenden Naturzerstörung, wo Metaphorik und heutiger Istzustand erstaunlich gut zueinander passen, wenn man bedenkt, dass die metaphorischen Bilder vor 2000 Jahren beschrieben wurden.

Wie seriös wirkt diese Vorhersage?  Sie ist erstaunlich authentisch, auch wenn der Zeitpunkt des göttlichen Eingreifens völlig im Nebel bleibt, würde niemand diesen Text für unseriös halten.  Der Bonus dieser Vorhersage liegt im Eintreffen der Naturveränderungen, welche der biblische Text metaphorisch umschreibt.  Das Defizit liegt in der zeitlichen Unvorhersehbarkeit des von Gott angekündigten Eingreifens als Gegenregulierung gegen die Zerstörung.  Gott nimmt sich die Freiheit, seine Pläne rein zeitlich im Dunkeln zu halten, aber er gewährt Einblick in seine Planungen, ohne Zeitvorschau.  Das muss der Mensch aushalten.  Die Erkenntnis ist, dass es Inspirationen beim Schreiben gibt, die auf dem Hintergrund einer übergeordneten Spiritualität zu stehen scheinen.