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Psychogramm als Lebenshilfe

Klassisches Horoskop und Tierkreispsychogramm unterscheiden sich von Grund auf, wie an anderer Stelle ausführlich dargelegt.  Das Tierkreispsychogramm bietet dem Menschen 28 unveränderliche Kurzaussagen psychologischen Inhaltes an, die das Verhalten oder das Erleiden des Menschen charakterisieren, auf den Punkt bringen.  Die darin enthaltene Botschaft ist in Grenzen interpretierbar, aber nicht korrumpierbar.  Die Aussage „der Mensch leidet für neue Ideen“ zeigt auf keinen Fall einen freudigen Menschen, sondern eine eben leidvolle Erfahrung, die von Schmerzen zeugt, während die Aussage „der Mensch verrät die Wahrheit“ ein eher schwieriges Verhalten andeutet, wo der Mensch sich auf einem Irrweg befindet.  Wird hingegen ausgesagt „der Mensch will Liebe für alle“, dann darf man getrost eine hingebungsvolle Haltung unterstellen, wo ein Mensch zumindest in seinem Denken idealisiert.  Was letztendlich bei allen drei Aussagen konkret erlebt wird, kann man nicht ablesen, das weiß nur der betroffene Biographieträger selber, wenn er in der Lage ist, zumindest vor sich selbst ehrlich genug zu sein, die jeweilige Aussage dem biographischen Erleben zuzuordnen, das dabei treffsicher gespiegelt wird.

Es ist unschwer ablesbar, dass die Auseinandersetzung mit derartig tendenziösen Aussagen weniger einfach ist als die Identifikation mit weichgespülten Aussagen aus dem Repertoire der klassischen Astrologie, die niemals so unverblümt auf den Punkt kommt, so persönlich wird.  Hier braucht man mehr Mut, um genau hinzugucken, besonders wenn man ganz schnell überschwemmt wird von dem Gefühl, dass man es so genau auch wieder nicht hat wissen wollen.  Oder dass man sich verletzt fühlt, weil man diese oder jene Etikettierung unpassend findet, nicht akzeptieren kann, weil man eben glaubt, ungerecht beurteilt zu werden.  Dann wird es richtig schwierig, wobei der Mensch sehr schnell in der Lage ist, einen Schutzmechanismus aus der Tasche zu ziehen, in dem er vorgibt, sich nicht erkennen zu können.  Damit ist man aus dem Schneider, kann sich abwenden ohne nennenswerte Konfrontation mit dem eigenen Inneren, das vielleicht Signale senden könnte, die man lieber verdrängt.

Auf jeden Fall bietet das Psychogramm eine intime Konfrontation mit sich selbst, was weder erwartet wird, noch leicht zu verkraften ist, wenn man sich ehrlich dem Spiegel stellt.  Für den, der ehrlich ist und der gerade ein paar ungeschönte Darstellungen des eigenen Verhalten verarbeiten muss, stellt sich die Frage, was man damit nun tun soll.  Sicher nicht schmollen oder leugnen, das wäre der ineffektivste Umgang mit dem Angebot.  Wesentlich weiter kommt man mit Offenheit und Hinspüren, was jetzt gerade passiert.  Genau dann kommt einem eine interpretatorische Kraft aus dem eigenen Inneren entgegen, die den Menschen auffängt und stärkt, auch – oder gerade dann -, wenn er sich momentan sehr verunsichert fühlt.  Jeder, der sich schon mal mit spirituellen Erleuchtungswegen beschäftigt hat, kann sich erinnern, dass die Erleuchtung niemandem in den Schoß fällt, sondern erkämpft werden muss.  Der größte Schmerz in diesem Kampf ist ein stiller, der sich im eigenen Inneren abspielt und der dabei entsteht, dass man durch das Nadelöhr der Selbst-Erkenntnis hindurch muss, bevor Erleuchtung oder Gottesbegegnung zuteil wird.  Genauso ist es mit dem Psychogramm.  Erst das Zulassen von kritischen Aspekten öffnet den Raum der spirituellen Begegnung mit der höheren Instanz, die man sich gemäß dem eigenen weltbildlichen Denken in diesem Raum vorstellt.

Das Tierkreispsychogramm ist ein Erkenntnis-Weg, der durch die Niederungen der eigenen Fehlerhaftigkeit letztendlich zur Begegnung mit der spirituellen Dimension führt, der man sich in tiefsten Inneren verbunden fühlt.  Für jeden einzelnen Menschen steht ein individueller spiritueller Raum zur Verfügung, dessen Schlüssel der Mensch in der eigenen Hand trägt, er muss sich nur öffnen  mit der Bereitschaft, sich in Frage stellen zu lassen, ohne Beschönigung.  Das reinigende Feuer der Selbsterkenntnis öffnet die Türe zur Gotterkenntnis, so wie Gott es den Menschen in allen Religionsoffenbarungen immer wieder anbietet.