Blog

Gott ohne Religion

Angenommen, es gäbe Gott, was von den Religiösen immer wieder unterstellt wird, dann ist sicherlich ein Phänomen zu beobachten, dass nämlich alle Gottesdarstellungen, die von den Religiösen in Umlauf gebracht werden,  immer ganz einseitig auf der Schiene des Irrationalen, Magischen und Unwissenschaftlichen angesiedelt sind, was sich nicht vereinbaren lässt mit den wissenschaftlichen Erkenntnissen der Neuzeit.  Die Vorstellungen von Gott einerseits als dem allerhöchsten Geist im Universum und seine Inkompatibilität mit naturgesetzlichem Denken, so wie er in den traditionellen Religionsoffenbarungen vorgestellt wird, ist unbefriedigend für einen rationalen, Wissenschaftsdenken bejahenden Menschen, so dass es nicht verwunderlich ist, dass viele dieser Kategorie Zugehörigen sich  auf der Atheismus-Schiene niedergelassen haben.

Wir sind es nicht gewohnt, weil ganz schnell als Blasphemie diskreditiert, uns in die Erfahrungswelt eines solchen Geistes – Gott – hineinzudenken, dennoch sollte man es einmal versuchen, wobei wir per se einmal davon ausgehen wollen, dass es ihn gibt, denn sonst machen diese Überlegungen keinen Sinn.

Dieser Geist – Gott – hat die Menschheit offenbar schon immer begleitet, und rein zeitlich fällt 99% dieser Begleitung in das naive, magische Zeitalter des menschlichen Denkens.  Also musste Gott diesem Entwicklungsstadium des Menschen Rechnung tragen und dem angepasste Botschaften inspirativ lancieren, um dem Menschen Kunde zu geben über die Existenz eines höheren Wesens, dem er sich Schutz und Rat suchend zuwenden durfte.  So entstanden die Religionen, welche den Menschen über die rein tierische Existenz erhoben haben.  Tiere kennen keinen Gott, haben dafür ein Urvertrauen, das ihnen hilft, angstfrei zu sterben, wenn sie das Glück haben, nicht gejagt oder geschlachtet zu werden, sondern auf friedliche Weise ihr Leben beenden zu dürfen.

Der Mensch ist also, anders als die Tiere,  über sein eigenes Seelenerleben systematisch hingeleitet worden zur Fähigkeit, religiös zu empfinden, ein höheres Wesen zu antizipieren, das er anbeten konnte und von dem er sich Schutz und Unterstützung erhoffte in seinen Unterfangen.  Natürlich waren diese frühen Inspirationen naiv und magisch, dem seelischen Entwicklungsstand des Menschen angepasst.  Die Beschaffenheit der Religionsoffenbarungen zeugt von diesem Faktum, dass nämlich moralisch hochwertige Unterweisungen sich abwechseln mit naiven Geschichten, die allenfalls als symbolische Überhöhungen verstanden werden dürfen, nicht aber als historische Realität.  Viele Menschen können das auch richtig einordnen, aber noch mehr neigen dazu, die heiligen Schriften lieber wörtlich nehmen zu wollen, wobei die Fundamentalisten Feuer und Schwert nicht scheuen, um die naive Interpretation Anderen aufzuzwingen.

Der höchste Geist des Universums – Gott – findet sich also in der Neuzeit einer Phalanx von Bewahrern gegenüber, die alle mehr oder weniger unerbittlich jedes Wort verteidigen, das ihre persönlich bevorzugte Religionsoffenbarung anbietet.  Die militanten Fundamentalisten und die kirchlich beheimateten Bewahrer der reinen Lehre unterscheiden sich oft nur durch Nuancen, erstere verteidigen ihre Überzeugung notfalls mit physischer Gewalt, während die anderen sich Nachdruck verschaffen durch psychologische Gewalt, da ihnen die Inquisition leider nicht mehr zur Verfügung steht.  Man könnte sicher interessante Diskussionen führen über den seelischen Entwicklungsstand der sich kirchlich legitimiert fühlenden Rechthaber, die sich den physisch gewalttätigen Fundamentalisten so überlegen fühlen…..

Also, der alles überragende Weltgeist – Gott – hat ein Problem, wie er nämlich seinen Kommunikationsfluss übermitteln kann in eine Welt hinein, die sich hermetisch abriegelt gegenüber allen, traditionelle Religionsaussagen erneuernde Botschaften.  Gibt er sich zu erkennen als inspirierende Quelle eines schreibenden Menschen, so wird letzterer ganz schnell belächelt, insbesondere wenn er mit seinen Aussagen Neuland betritt, dann hat er gleich zwei Probleme.  Er muss sich zur Wehr setzen gegen den Ruch, psychiatrisch krank zu sein, denn wer gibt schon vor, direkt von Gott inspiriert zu schreiben, und er muss sich fürchten vor der konservativen Reaktion der hauptamtlichen Bewahrer der reinen Lehre, die auch mal schnell fundamentalistische Züge annehmen können, wenn sie ihre Lehre bedroht oder beschädigt wähnen und gar Blasphemie wittern.  Also gar nicht so einfach für Gott, das Wort zu ergreifen und tatsächlich gehört zu werden.

Natürlich gibt es, Gott sei Dank, die progressive Fraktion, die das Darwin’sche Weltbild und die Existenz Gottes zu vereinbaren suchen, mit gutem Erfolg.  Wenn man die Symbolik der Religionsgeschichten bei der Symbolik belässt und keine naturgesetzlichen Tatsachen daraus zu konstruieren versucht, dann ist es absolut vorstellbar, dass Gott jetzt eine neue Ebene der Selbstdarstellung und seiner Absichten mit der ihm anvertrauten Menschheit formuliert, eine Ebene, auf der naturgesetzliches Denken und die Existenz eines alles durchdringenden Weltgeistes – Gott – keine Widersprüche mehr sein müssen.  Ganz im Gegenteil will Gott jetzt endlich seine rein naturgesetzlich angelegte Existenz offenbaren als der Energiespender allen biologischen und pflanzlichen Lebens, der mit seinem unerschöpflichen Potenzial die gesamte kreatürliche Existenz der biologischen Wachstumsplaneten versorgt und unterhält.   Dass er bei dieser naturhaft angelegten Existenz irgendwann zu seinem eigenen Persönlichkeitsbewusstsein erwacht ist, gehört zu seiner eigenen Geschichte, auch wenn die Menschheit mehrheitlich glauben möchte, dass Gott keine Geschichte zu haben hat und immer schon so war, wie wir jetzt unterstellen, dass er ist.

Eigentlich sind wir, Leser dieses Blogs, ganz progressiv und offen für neue Botschaften, aber wenn die Inspiration  und die daraus resultierende Erkenntnis nun plötzlich eine ganz andere Richtung einschlägt, als wir gewohnt sind zu denken, dass nämlich Gott Teil der Naturkräfte ist, aber nicht Herr derselben,  nicht Schöpfer Himmels und der Erde und nicht allmächtig, können wir das dann noch so stehen lassen?  Das Phänomen der Spiritualität bleibt ja bestehen, nur der Träger der Kräfte wandelt sein Gesicht.