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Gott im Visier

Der Mensch sucht Sinn.  Der Sinnsucheweg führt nach innen.  Der Binnenraum aber ist die Begegnungsstätte mit Gott.  Wenn es überhaupt einen gibt.  Wie öffnet man die Türe zu diesem Binnenraum?  Kann einem die Kirche dabei helfen, oder der Pfarrer?  Wie klopft man an?  Wer ist der Pförtner, der das Klopfen hört?  Was ist überhaupt Sinn?  Vielleicht das Gefühl, dass es für irgend jemanden nützlich ist, dass gerade ich lebe?  Lebe ich für mich selbst, oder eher für jemand Anderen?  Fragen über Fragen, die sich auftun, sobald man einen Fuß auf den Sinnsucheweg setzt.  Erkenntnis anzustreben ist nicht einfach, Inspirationen kriegt man nicht so ohne weiteres und das Geschenk der Spiritualität schon gar nicht.

Gehört Gott zur Sinnfindung eigentlich dazu, oder geht es auch ohne ihn?  Wer bestimmt das?  Kann ich darauf Einfluss nehmen, ob er mit im Boot sitzt oder nicht?  Wie kann ich mich eigentlich für oder gegen Gott entscheiden?

Ich bin ich – das ist meine allererste Antwort auf die Sinnfrage.  Ohne mein Ich gibt es keine Antwort.  Mein Ich liefert die allererste Begründung für jeglichen Sinn, den ich sehen kann, weil nämlich mein Ich sich konfrontieren muss mit allem, was sich außerhalb vom Ich befindet.  Erst aus dieser Konfrontation heraus kann mein persönlicher Sinn entstehen.

Also muss ich mich als erstes mit meinem Ich beschäftigen, um eine Brücke zum Außen zu bauen, damit ich beide Pole in eine sinnvolle Zusammenschau setzen kann.  Vielleicht begegnet mir ja auf diese Weise auch Gott, ohne dass ich ihn direkt ansteuere.  Vielleicht wartet er nur darauf, von mir tangiert zu werden, um sich spürbar einzubringen.  Ich sollte es einfach mal drauf ankommen lassen.

Ich suche mich – womöglich ist das tatsächlich der allererste Schritt auf dem Sinnsucheweg, weil ich das Außen erst verstehen kann, wenn ich mein Ich durchleuchte.  Und Gott muss selber wissen, wo er hingehört, er wird schon kommen, wenn er es für richtig hält.  Darf man so mit Gott umgehen?  Hat man uns nicht beigebracht, dass man sich ihm ehrfurchtsvoll, andächtig und untertänig zu nähern hat?  Und dass er auf jeden Fall gerufen werden will?  Vielleicht schafft das ja gar nicht jeder, weil  gar nicht jeder an ihn glaubt.  Man ruft niemanden, den man nicht für existent hält.  Müssen dann die Ungläubigen auf Gott verzichten, und umgekehrt, muss Gott dadurch  auf die Ungläubigen verzichten, entgeht ihm dann deren Verehrung?

Angenommen, Gott hätte die Menschheit wirklich erschaffen, zumindest geistig, dann hätte er ja auch die Ungläubigen erschaffen – zu seiner eigenen Frustration?  Projizieren wir da nicht ganz schön unser eigenes, kleinliches Denken auf einen unvorstellbar überdimensionierten Denker?  Vielleicht frustrieren ihn die Ungläubigen gar nicht, sondern sind absichtlicher Teil seines Schulungsprojektes „Menschheit“, das er für seine eigene Sinnerfüllung erschaffen hat?  Dann müsste nämlich kein Ungläubiger sich bedrängt fühlen, gläubig  werden zu sollen, sondern könnte mit aller Gewissenhaftigkeit nach dem Sinn suchen, der ihn überzeugt.  Vielleicht fände er einen Sinn ohne Gott, der dennoch sein Gewissen befriedigt.  Vielleicht will Gott ja genau das und keine Missionierung der „falsch“ Denkenden.

Also, auf zur Sinnsuche.  Vielleicht schaltet sich Gott irgendwann ein und übernimmt sogar die Führung, auch ohne dass man es gleich merkt.  Überlassen wir es doch ihm und gehen in Warteposition.