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Gott im Tierkreis

Schon im Altertum hatte der Mensch immer eine besondere Affinität zum Firmament, wobei er  vor etwa 4200 Jahren versucht hat, die astronomischen Gestirne zu symbolisch definierten  Bildern zusammenzuordnen, nämlich zu den Sternbildern, die astronomisch gesehen naturgemäß aus ungleich großen „Feldern“ bestehen.  Der Mensch aber benötigte für seine Zeitbemessungswünsche einen Kreis mit zwölf gleich großen Feldern.  Also schuf er einen solchen imaginären Kreis mit zwölf gleich großen Feldern, den er über den damaligen Stand des realen Gestirnenkreises projizierte. Tatsächlich läuft die Sonne samt der Planeten einmal im Jahr durch den ungleichen astronomisch realen  Gestirnenkreis  oder Tierkreis. Tierkreis deswegen, weil acht der zwölft Sternbilder Tiere symbolisierten.  Im Rahmen dieser zwölf Felder  schufen Priester einen Kalender mit zwölf Monaten zu je 30 Tagen, wobei vereinbarungsgemäß der Jahresanfang am Tag der Frühlingstagundnachtgleiche begann.  Da ein Jahr jedoch 365,25 Tage dauert, wurden dem Kalender regelmäßig Schaltmonate zugefügt.

Der „Frühlingspunkt“, d. h. die Frühlingstagundnachtgleiche wandert auf der Ekliptik wegen der Präzisionsbewegung der Erdachse pro Jahr um 50 Bogensekunden nach Westen.  Damit wanderten die Sternzeichen mit dem Frühlingspunkt ebenfalls nach Westen aus den astronomisch realen Sternbildern hinaus, nach denen man die Sternzeichen ursprünglich benannt hatte.  Heute liegt der Frühlingspunkt nicht mehr im Widder, sondern in den Fischen, die Sonne steht zur Sommersonnenwende nicht mehr im Krebs, sondern in den Zwillingen, der Wintersonnwendpunkt liegt nicht mehr im Steinbock, sondern im Schützen.

So wird verständlich, dass der astronomische Tierkreis nicht mehr mit dem astrologischen übereinstimmt.  Der astrologische Tierkreis ist demnach ein künstlicher Messkreis mit gleich großer Felderunterteilung, der geschaffen wurde, um eine exakte Zeitbestimmung – Zeitqualität – zu ermöglichen.  Real sind hingegen die Planetenbewegungen, welche in genau berechenbarer Weise durch den imaginierten Tierkreis ihre Bahnen drehen.  Diese Konstellation, künstlicher Messkreis und wanderungsaktive Planetenkörper, eignet sich zur mathematisch berechenbaren Zeitbestimmung, was bei der Horoskoperstellung genutzt wird.

Die Benennung der zwölf gradgleichen Tierkreisfelder erfolgte nach elementaren Symbolen (Sternbildern), denen bestimmte inhaltliche Qualitäten nachgesagt werden.  Zu allen Zeiten unterstellte man diesen Symbolbildern bestimmende Einflussnahme auf das Leben der Menschen.  Die Planeten hingegen wurden für Verkörperungen mächtiger Gottheiten gehalten, die ebenfalls Einfluss nahmen auf das Leben der Menschen. So war es wichtig, die dafür günstigsten Positionen von Sonne, Mond und Sternen vorher berechnen zu können.  Die Fixsterne der Tierkreissternbilder stellten zu Anfang wichtige Bezugspunkte zur Bestimmung der Positionen und der Bewegung der göttlichen Himmelskörper dar.  Weil man den Sternbildern samt den wanderungsaktiven Planeten bestimmende Einflussnahme auf das menschliche Leben unterstellte, hat hier das magisch-astrologische Denken zum Thema Zeitqualität seinen Ursprung.

Der Tierkreis war also immer schon Träger religiöser Gefühle des Menschen, so dass es nahe liegend ist, wenn Gott auch in der Jetzt-Zeit diese Symbolstruktur für sich nutzt, um seine Existenz sichtbar zu machen.

Das wäre jedoch nur möglich, wenn Gott es gelänge, das Werkzeugset (Sternbilder, Planeten, Häusersystem) in seiner Symboldeutung nicht nur zu präzisieren, sondern auch noch treffsicher zu analogisieren mit der individuellen Seelenbeschaffenheit der Menschen.  Er müsste also die mathematische Zeitqualität bekleiden mit einem psychologischen Zuordnungs- oder Deutungssystem und dann dafür sorgen, dass zu jeder  bestimmbaren Zeitqualität (definierbar durch den Horoskopdatensatz) nur Menschen mit dazu passenden Charakteristika geboren werden.  Eine vortreffliche Aufgabe für einen alles durchdringenden Geist, wie wir uns Gott vorstellen.

Er hat sich dieser Aufgabe gestellt und die Tierkreispsychologie geschaffen, ein astrologisches Deutungssystem, das nur charakterisieren und spiegeln will, hingegen nicht vorhersagen im Sinne einer Einflussnahme wie die klassischen Horoskop-Deutungssysteme.  Es lässt sich leicht überprüfen, ob es seine Vorgabe erfüllt, treffsichere Spiegelbilder eines jeden Menschen zu produzieren, wenn man nur den Horoskopdatensatz (Geburtsuhrzeit, – ort und Geburtstag) eingibt und das dabei zu erzeugende Abbild mit dem realen Menschen vergleicht, das allerdings auf einer möglichst intimen psychologisch-biographischen Ebene, sonst funktioniert es nicht.