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Die Suche nach Selbsterkenntnis im Widerstreit mit dem Wunsch nach Selbstbestätigung

Selbsterkenntnis ist nicht immer gleichermaßen willkommen.  Selbsterkenntnis hat verschiedene Facetten, die für den Menschen unterschiedlich angenehm sind.  Angenehm ist es, Selbst-Erkenntnis als aktivierende Beauftragung zu erleben, die den Weg aufzeigt, den man berufen ist zu gehen.  Wesentlich weniger angenehm ist es, dabei auf die eigene Triebnatur zu stoßen, insbesondere wenn die eigenen Triebbegehren nicht mit einem idealisierenden Konzept fortgeschrittenen Reifungsverhaltens übereinstimmen, dem man sich eigentlich zuordnet, wenn man sich doch schon dem Entschluss unterzieht, einen Seelenspiegel anzufordern in Form eines Psychogramms.  Begegnungen dieser Art schätzt der Mensch nicht, er möchte sich lieber in der Dimension aufhalten, wo schicksalhafte Berufungen vergeben werden an weit entwickelte Seelen, die schon viel geschafft haben auf der Stufenleiter der Spiritualität bzw. der spirituellen Fortentwicklung.

Deshalb ist die Begegnung mit dem Tierkreispsychogramm für manchen eine zwiespältige Erfahrung, weil er sich eigentlich etwas anderes davon versprochen hat, als was er dann präsentiert bekommt.  Er hatte nicht damit gerechnet, mit Problemkonstellationen konfrontiert zu werden wie unliebsamer Kritik, die man sich lieber nicht anhören möchte, weil sie das idealisierende Selbstbild irritiert.  Diese Überraschung ist zugegebenermaßen nicht leicht zu verkraften, zumal man von der klassischen Astrologie, aber auch vom therapeutischen Setting gängiger Psychotherapie überhaupt nicht gewöhnt ist, direkt auf seine unliebsamen Schwachstellen angesprochen zu werden, wie das Tierkreispsychogramm es im Bedarfsfalle tut.  Wenn Kritik, dann aber bitte nur sehr verschleiert, am besten immer mit der entlastenden Verpackung eigenen Leidens, damit kann man sich vielleicht auch ein klein bisschen Kritik anziehen.  Weiter reicht die vom Menschen zugelassene Inspiration hier noch nicht.

Diese unverblümte Direktheit des Psychogramms ist neu für den Klienten, der bislang nur therapeutischen Schongang gewöhnt war, weshalb er sich schwer tut, diese Ebene zuzulassen.  Entsprechend groß ist die Versuchung, die Botschaft zu diskreditieren als unzutreffend, weshalb man es nicht für nötig befindet, sich damit näher auseinanderzusetzen.

Theoretisch ist dem Sinnsucher bekannt, dass die höheren Weihen spiritueller Bewusstseinserweiterung nur erreichbar sind durch das Nadelöhr der Selbsterkenntnis, aber man stellt sich dieses Nadelöhr dann anders vor, als es der Realität entspricht.  Esoterische Literatur gaukelt dem Menschen vor, dass er Enthaltsamkeitsrituale und Mutproben zu absolvieren hat, bevor er zugelassen wird in den engeren Kreis der Auserwählten, aber sie verschweigen ihm, dass die „Mutproben“ nicht in der Überwindung von Angst, sondern in der Überwindung von Selbstbeschönigung bestehen, die zu ertragen oft schwerer ist als eine ausgelagerte Angst, die nicht wirklich an der eigenen Existenzgrundlage rührt.

Mit diesem Denken kommt man dem Tierkreispsychogramm schon näher.  Hier muss der Datengeber seinem eigenen, unbeschönigtem Spiegel standhalten, der nicht schmeichelt, sondern im Bedarfsfall sehr direkt formuliert, wo die Lernerfordernis dieser Konstellation besteht. Der Horoskop-Datensatz liefert herfür die Grundlage.   Das zu ertragen ist gar nicht so einfach, wenn man sich völlig unvorbereitet konfrontiert sieht mit kritischen Etikettierungen, die niemand gerne hört.  Jetzt heißt es, hinschauen und nicht ausweichen, auch wenn es schwer fällt. Genau hier liegt das Nadelöhr, durch das jeder Entwicklungswillige hindurch muss, weil dahinter erst der Raum der spirituellen Begegnung beginnt, den zu erreichen man sich erträumt.

Erst wenn man zulassen kann, dass man toleranter und bescheidener werden und Verzicht üben muss hinsichtlich der eigenen Führungswünsche, dass man gelegentlich auch die Wahrheit und das soziale Verhalten verraten und rechthaberisch die eigenen, vermeintlich richtigen Positionen vertreten hat, weil man der Wahrheit nicht ins Gesicht hat schauen wollen, dass man einen unangemessenen Machtanspruch an Andere gestellt hat,  dass einem die eigene Lustbefriedigung wichtiger war als die Harmonie mit den Nahestehenden, und dass man noch so manche andere Niederung menschlichen „Normalverhaltens“ gepflegt hat, die man eigentlich lieber hätte vermeiden sollen, erst wenn man das alles anschauen kann ohne zurückzuzucken, dann hat man den ersten Schritt getan, die eigene Entwicklung wirksam voranzutreiben, um die Niederungen fehlenden Menschseins zu überwinden