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Die Entdeckung der Spiegelung im Horoskop

Ich war wochenlang ganz erschlagen von der Entdeckung der philosophischen Wegbeschreibungen des Menschseins in den zwölf Tierkreiszeichen, so wie sie mir in die Feder geflossen waren.  Ich fand sie sehr authentisch, nachvollziehbar, universell gültig, und obendrein richtig poetisch.  Ich las die einzelnen Wege wieder und wieder, ahnend, dass die passive Wahrnehmung dieses philosophischen Gartens noch nicht alles gewesen sein konnte, was mit der Tierkreisphilosophie anzufangen war.  Ich begann zu experimentieren, indem ich bei mir  bekannten Horoskopen der Menschen meines nächsten Umfeldes die Planetenstände mit den neu gewonnenen numerischen Etikettieren der Tierkreisphilosophie versah.  Und siehe da, es machte Sinn.  Die Planeten bekamen thematische Zuordnungen und wirkten plötzlich im Lichte einer ganz bestimmten Thematik, nämlich der ihres Gradstandes im Tierkreis, ermittelt durch mein neues System, viel lebendiger, plastischer, inhaltlicher, eben wie ein Botschaftsträger, der dem Datengeber etwas zu sagen hat.  Ich war nicht mehr auf spontane Inspiration meinerselbst angewiesen, sondern konnte die Erkenntniss-Werte aus meinem Psychogramm benutzen und den Klienten überraschen mit einer intimen Spiegelung seiner Person, die meistens eine Begegnung mit der Spiritualität auslöst.

Jetzt war der Augenblick gekommen, wo ich richtig süchtig wurde, süchtig danach, immer neue Horoskope mir gut bekannter Menschen mit meinem neuen System zu deuten, d. h. alle Planeten zu versehen mit den ihnen zugehörigen Thematiken, die ich jeweils einfach dazu schrieb zu den klassischen Auswertungen.  Und siehe da, es entstanden jede Menge sehr authentischer Spiegelungen der mir bekannten Menschen, und das auf einer verblüffend intimen Ebene.  So habe ich wochen- und monatelang Horoskope von mir bekannten Leuten erstellt und die so gewonnenen Planetenstände mit den Deutungen des von mir gefundenen Systems versehen, und es funktionierte.  Es funktionierte umso besser, je genauer ich die Person kannte, weil es mir dann leichter fiel, die oft etwas abgehobene Sprache meiner poetischen Aphorismen auf Alltagsgeschehen und Alltagsverhalten umzusetzen.  So lernte ich unaufhaltsam aus dem Horoskop-Reservoir mir sehr gut bekannter Horoskop-Datengeber, weil ich hier schnell ein gutes Gespür bekam für den Zusammenhang zwischen dem Verhalten und der Historie einer Person und der dazugehörigen Etikettierung meines Deutungssystems.  Ich bekam Routine mit meiner eigenen Inspiration und sah immer mehr authentische Spiegelbilder bekannter Menschen, die mir mein System freizügig lieferte.  Oft war ich ganz betroffen, weil das neue Deutungssystem Dinge zuweilen sehr unverblümt formulierte, die ich in einer konventionellen Psychotherapiesitzung  vielleicht nicht gleich so offenherzig angesprochen hätte.