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Der Weg durch den Widder oder der Einweihungsweg des Menschen

Jeder Mensch ist bei seinem Eintritt ins Leben klein, unwissend und hilfsbedürftig.  Er wird dabei konfrontiert mit zwei Erlebnisdimensionen:  seiner Binnenwelt und dem Außenerleben, wobei die Binnenwelt zwar reagiert auf das Außen, primär aber als selbständige Entität vorhanden ist.  Diese Konfrontation ist unausweichlich bei jedem Menschen.

Auf dem Weg durch die eigene Binnenwelt begegnet man Dämonen und ihrem Gegenspieler, der Liebe.  Die wichtigste Analog-Erfahrung zum Gotterleben ist die Liebe, welche von der Wertigkeit absolut identisch ist, ohne das jemand durch seinen Atheismus davon ausgespart wird. Wer geliebt wird, ist selig, und wer selbst lieben kann, ist heilig.  Jeder Mensch ist dazu angelegt, diese Dimensionen erleben zu dürfen, und wer verhindert, dass sein nächster Mitmensch hier ankommt, versündigt sich gegen das Menschsein.

Jede Begegnung mit der Liebe erinnert den Menschen an seine Sehnsucht nach Höheren, wodurch die erste Wahrnehmung der Transzendenz im eigenen Inneren ausgelöst wird.  Der gläubige Mensch trifft hier auf Gott, während der Ungläubige die gleiche Erlebnisdimension geschenkt bekommt durch die Anrührung inniger Gefühle im eigenen Herzen, die er wie selbstverständlich identifiziert mit dem höchsten Heiligtum des Menschen, nämlich mit der Liebe.  Auch der atheistische Mensch hat hierbei die höchste Stufe der für ihn möglichen Erfahrungsqualität errungen, nämlich die Identifikation mit der spirituellen Qualität der Liebe.  Atheist und Gottgläubiger vereinigen sich hier in einer heiligen Gemeinsamkeit, nämlich in der Liebe, welche philosophisch gesehen nur ein Synonym ist für Gott.

Jeder Mensch muss sich bekennen zu seiner Wahrheit, ganz gleich, ob er es im Außen oder in der Abgeschiedenheit seines Herzens tut.  Ohne Selbsterkenntnis wird kein Mensch erwachsen.  Verweigert der Mensch diese Beauftragung, so holt ihn das Defizit ein, früher oder später.  Ein Defizit-Zustand macht unzufrieden, weil der Mensch so angelegt ist, ankommen zu wollen bei sich selbst, und wer bei sich selbst ankommt, kann Gott nicht ausweichen, auch wenn er ihn nicht erkennt als solchen, weil sich ihm statt dessen andere, wertvolle Erfahrungen anbieten, nämlich die Liebeserfahrung, welche ihm die Gotterfahrung ersetzen, ohne dass ihm dabei etwas fehlt.

Der Weg durch den Widder ist der eigentlich spirituelle Königsweg aller Wege.  Jeder kann ihn begehen, ganz gleich, ob er an Gott glaubt oder nicht.  Wer hier anklopft, wird begleitet werden, auch ohne, dass ihm ein Erweckungserlebnis zuteil wird.  Seine Reifungsschritte werden unmerklich unterstützt werden, auch wenn er glaubt, allein zu gehen.  Reifung ist nachhaltiger als der Tod, weil Reifung über die Grenzen des Todes hinaus erhalten wird von dem, der sich selbst als spirituellen Urgrund des Menschseins zur Verfügung stellt.

Widder 30 Grade

  1. Ein Schlüssel wird geboren – Enthüllung unbekannter Formen
  2. Entfaltung einzelner Aspekte – ein Kaleidoskop neuen Denkens
  3. Überwindung verkrusteter Strukturen – Eroberung neuer Ufer
  4. Teilaspekte gewinnen Kontur – kristalline Struktur vertreibt Chaos
  5. Bergkristall formt menschliche Züge – Struktur gewinnt Raum im menschlichen Denken
  6. Schatten weicht Licht – Kristall ist lichtdurchflossen
  7. Dämonen ersterben im Licht – Dunkelheit weicht zurück
  8. Geist gewinnt die Oberhand – Trägheit wird überwunden
  9. Klarheit besiegt Verwirrung – menschliches Denken erhebt sich über die Instinktebene
  10. Streben nach Verständnis wird belohnt – Antworten formen sich aus dem Nebel
  11. Erkenntnis erfolgt auf die Suche nach dem Licht – ein Durchbruch öffnet sich
  12. Türen tun sich auf – der Mensch verlässt bekannte Räume
  13. Begegnung mit neuen Ideen – Impulse werden gesetzt
  14. Vereinigung bekannten Wissens mit neuen Impulsen erzeugt Inspiration
  15. Der Mensch wird erhoben auf eine neue Daseinsebene
  16. Eigene Erkenntnis fordert Dienst am Nächsten – Zuwendung ersetzt Narzissmus
  17. Nächstenliebe vertreibt Egoismus
  18. All-Liebe formt eine Brücke zu Gott
  19. Liebe vereinigt Gott und Mensch
  20. Vereinzelung wird ersetzt durch Gemeinschaftsgefühl
  21. Der erleuchtete Mensch ist die Krone der Schöpfung
  22. Göttliche Gaben für den Einzelnen kommen allen zugute
  23. Der Mensch kommuniziert in seinem Inneren mit Gott
  24. Gott kommuniziert mit allen Menschen
  25. Die Begegnung mit Gott ist die Vollendung menschlicher Daseinserfahrung
  26. Gott verwandelt jeden Menschen, dem er begegnet
  27. Der Mensch wird wiedergeboren durch die Begegnung mit Gott
  28. Menschliches Bewusstsein vereinigt sich mit göttlicher Führung
  29. Gott im Menschen ersetzt irdische Religion
  30. Begegnung mit Gott geht nie mehr verloren

Dieser Beschulungsweg nimmt die Erlösung des Menschen gleich vorweg, er ist der Königsweg aller Beschulungspfade, weil er die Gottesbegegnung als Krönung aller menschlichen Erfahrungswerte beschreibt.  Auf Erden ist es die irdische Liebe, welche den Schlüssel zur Pforte jeglicher Transzendenzerfahrung in der Hand hält.  Jeder ist eingeladen, hier anzuklopfen, und jedem wird aufgetan, der es ernst meint, nur wann das ist, bleibt Gottes Geheimnis.  Hier geht es nicht um Erkenntnis, sondern ums Fühlen, ganz nonverbal.  Inspirationen können durchaus nonverbal auftreten, und Spiritualität ist es allemal.