Blog

Der Weg durch den Stier oder die Verwurzelung im Körperlichen


Die wichtigste Erfahrung für jeden Menschen ist seine Familie.  Wird er ihrer durch was immer für Umstände beraubt, so kränkelt er für den Rest seines Lebens seelisch dahin, ohne sich je richtig davon zu erholen. Deshalb braucht jedes Kind zumindest elternähnliche  Bezugspersonen, die ihm den Start ins Leben erleichtern.  Der ganz junge Mensch muss sich fallen lassen können in eine bedingungslose Geborgenheit, ohne nachzudenken, weil diese Geborgenheit seiner Seele das Urvertrauen gibt, das sie braucht, um angstfrei zu reifen, damit sie wiederum diese Freiheit von Angst später weitergeben kann an ihre eigenen Kinder.  Die Elternschaft ist also die wichtigste Basis, um das gesunde Fortkommen der Menschheit zu sichern.

Angstfreiheit ist die Voraussetzung, um später lieben zu können.  Das Liebesverhalten wird in der Ursprungsfamilie trainiert, damit der adoleszente Mensch befähigt wird, sein eigenes Liebesgefühl nach außen zu richten, um mit einem fremden, nicht zur Familie gehörigen Partner ein neues Nest zu bauen, damit der Zyklus sich fortsetzt.

Dass dieser Reifungsprozess nicht ohne Blessuren  vonstatten geht, steht außer Frage.  Um hier erfolgreich zu sein, muss man rechtzeitig loslassen können, für sich selbst und bei seinen Kindern.  Wirklich reif wird nur derjenige, der seinen Kindern rechtzeitig den Weg in die Freiheit eröffnet,  ohne diese durch unangemessene Machtansprüche zu gängeln.

Der liebende Mensch ist fruchtbar, was rein biologisch zur Fortpflanzung der Spezies führt.  Das Produkt ist er selbst, er wird geboren als hilfloses Baby erwachsener Eltern, die bei der Betreuung ihres Kindes ihre biologische Reife fortentwickeln müssen zur seelischen Reife, was nicht ohne Konflikte vonstatten geht.  Während die Eltern geläutert werden zu einer Haltung des Verzichtens auf alles, was der Kinderbetreuung nicht dienlich ist, wird das heranwachsende Kleinkind bestärkt in der gegenteiligen Haltung, dass es nämlich alles fordern darf, was seinem Wachstum und Fortkommen dient.  Diese gegenläufigen Energieansätze führen schließlich zur seelischen Loslösung des Kindes von seinen Eltern, wobei gegenseitige Verletzungen in der Regel unvermeidbar sind.  Diese Verletzungen liefern schließlich die nötige Energie, um wieder einen neuen Zyklus der Fortpflanzung auszulösen, welcher dann zur Aussöhnung mit der Großelterngeneration führt.

Stier 30 Grade

1.        Ein Kind wird geboren – Betreuung ist angesagt

2.        Ein Kleinkind lernt laufen – erste Gehversuche

3.        Ein Kleinkind lernt sprechen – ein erster Wortschatz entsteht

4.        Bildersprache ersetzt abstrakte Begriffe – Phantasie blüht

5.        Eine kleine Welt ist in sich geborgen

6.        Der Eintritt ins Schulalter folgt der Nestphase

7.        Erste Pflichten begrenzen die Freiheit

8.        Erste Freundschaftsbindungen über die familiäre Begrenzung werden erfahrbar

9.        Spiel formt Interessen – Ausrichtungen werden sichtbar

10.   Geschlechtsmerkmale beginnen sich zu differenzieren

11.   Emotionale Prioritäten werden verändert

12.   Das Küken verlässt zeitweilig das Nest

13.   Ablösungstendenzen verursachen Generationenkonflikt

14.   Berufliche Orientierung beschleunigt Ablösung

15.   Berufswahl steht fest

16.   Erster Verdienst reizt materielle Wünsche

17.   Eigener Verdienst unterstützt Verselbständigung

18.   Erste Liebe gedeiht

19.   Der ersten Liebe folgt erste Enttäuschung

20.   Seelische Reife schafft Fundament zur eigenen Familiengründung

21.   Ein Erwachsener erlebt die Geburt seines ersten Kindes

22.   Ein Erwachsener erlebt Freiheitsbeschränkung durch die Verpflichtung an sein erstes Kind

23.   Ein Erwachsener reift in der verpflichtenden Bindung an sein erstes Kind

24.   Ein Erwachsener hat alle drei Liebeserfahrungen in sich vereinigt:  die rückbindende an die Eltern, die partnerschaftliche, und die nach vorn verpflichtende an sein eigenes Kind

25.   Ein Erwachsener hat seine Ansprüche ans Leben relativiert

26.   Ein Erwachsener lernt altruistische Betreuung Abhängiger ohne Machtanspruch

27.   Ein Erwachsener muss tolerant werden

28.   Ein Erwachsener muss Abschied nehmen von seinen Kindern

29.   Ein Erwachsener auf der Sinnsuche in einem Leben ohne Kinder

30.   Ein Erwachsener findet Erfüllung in gleichberechtigter Distanz zu seinen Kindern

Dieser Beschulungsweg ist der wichtigste von allen, den jeder Mensch ausnahmslos  gehen musst, ganz gleich, ob er eigene Kinder hat oder nicht.  Jeder wird normalerweise in eine eigene Ursprungsfamilie hineingeboren, die für die ersten Lebensjahre bereitsteht, die Betreuung zu gewährleisten.  Das Kleinkind wird getragen von der Erkenntnis, dass seine Eltern für es da sind, weiter gehen seine Inspirationen noch nicht.  An Spiritualität ist in diesem Alter noch nicht zu denken.