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Der Tierkreis berührt mich ein zweites Mal

Mein Traum hatte eine Konsequenz, mit der ich nach diesem Absturz so nicht gerechnet hatte. Die sprudelnde Quelle in meinem Inneren machte sich bemerkbar und inspirierte mich, mal wieder zu schreiben.  Es war irgendwann im Sommer 1991, das genaue Datum weiß ich nicht mehr.  Ich saß nachmittags an meiner elektrischen Schreibmaschine, da ich zu der Zeit mich noch nicht zum Computer hatte durchringen können.

Ich wusste,  dass ich etwas über die Tierkreiszeichen schreiben sollte, zwölf Stück an der Zahl.  Das Unterfangen berührte mich etwas befremdlich, weil ich eigentlich keine Ahnung hatte, was ich ausgerechnet hierzu sagen sollte, ohne jegliches eigenes Konzept.  Noch während ich in die Luft guckte, eher ideenlos sinnierend, formulierten sich in mir Sätze, die aufs Papier wollten, in numerischer Reihenfolge, jeweils von eins bis dreißig, zwölf Mal.  Ich schrieb fleißig mit, aphorismische Aussagen, mal kürzer, mal länger, jeweils dreißig an der Zahl, niemals mehr als eine Schreibmaschinenseite voll.

Jede Seite trug eine andere Überschrift, nämlich die der zwölf Tierkreiszeichen, vom Widder bis zu den Fischen.  Ich war von diesem Ansturm der mich anfliegenden Aussagen ganz erschöpft, so dass ich nach einem Nachmittag des angestrengten Schreibens pausieren musste, nachdem ich Widder – Stier – Zwilling – Krebs – Löwe und Jungfrau zu Papier gebracht hatte.  Am nächsten Nachmittag vollzog sich das Gleiche, diesmal von der Waage über Skorpion – Schütze – Steinbock – Wassermann bis zu den Fischen.  Dann erst ließ der Ansturm nach, und ich war völlig ausgelaugt.

Ich weiß noch, wie ich auf meinem Sofa saß und erstmalig im Zusammenhang durchlas, was ich zu Papier gebracht hatte.  Während des Schreibens hatte ich keine Wahrnehmung vom Inhalt des Geschriebenen, jetzt aber erkannte ich den Zusammenhang meiner jeweils dreißig hintereinander gereihten Sätze.  Jedem Tierkreiszeichen war ein archaisches Tätigkeitsfeld des Menschseins zugeordnet, und die dreißig Aphorismen ergaben hintereinander gelesen immer einen typisch menschlichen Weg durch das jeweilige Tätigkeitsfeld, vom Kindheitsverständnis über die pubertäre Auflehnung gegen jegliche Verpflichtung bis zur altersgeläuterten Weisheit mit der damit verbundenen Akzeptanz des Unumgänglichen, die in diesem Stadium  zur Gotterkenntnis führt.  Ich erkannte die zwölf Wege menschlicher Beauftragung auf Erden, wie sie jeder Mensch in jedem Leben immer wieder neu zu durchlaufen hat, zusammengefasst als eine archaische Philosophie des Menschseins.  Ich saß auf meinem Sofa und weinte, hin und her gerissen zwischen Glück, Ergriffenheit und Dankbarkeit für diese Gabe, welche mir so in den Schoß gefallen war.  Ich spürte instinktiv, dass ich einen Schatz empfangen hatte, mit dem ich zu diesem Zeitpunkt allerdings noch gar nichts anzufangen wusste.

Meine Erkenntnis hierzu wuchs erst später, als die Inspirationen reichlich und regelmäßig zu fließen begonnen hatten und die Spiritualität nicht mehr wegzudenken waren aus meinem Leben.