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Der Tierkreis als Lebensschule

Im Widder geht es für den Menschen um Standortbestimmung seiner Identität, wobei dieses Bemühen den Menschen sehr schnell ins Grundsätzliche führt.  Der Mensch soll sich bekennen zu seiner ganz persönlichen Wahrheit, die nur mitten im Herzen zu spüren ist.  Erst die Herzensqualität leuchtet dem Menschen den Weg aus zu seiner ureigensten Wahrheit, und er wird feststellen, dass die Türe zur Wahrheit sich nur über das Herz öffnen lässt.  Im Raum der Wahrheit trifft der Mensch auf die Liebe.  Die Liebe aber ist der Schlüssel zur Transzendenz, wobei es gleich ist, ob die Transzendenz erfahrbar ist durch die Liebe zu einem Menschen oder durch die Begegnung mit Gott.  Beides ist gleich wert und außerhalb von jeder Religionslehre erfahrbar.

Im Widder soll sich der Mensch um Wahrhaftigkeit bemühen, mit der er anderen Menschen begegnet, wobei nur der wahrhaftig sein kann, der sich selbst begegnet ist.  Wer die Wahrheit nicht liebt und in der Unehrlichkeit verharrt, der verrät die Liebe, und wer die Liebe verrät, der ist Gott fern.

Im Stier geht es für den Menschen um die Entwicklung der Selbstlosigkeit, denn nur aus der Selbstlosigkeit heraus kann man Kindern die Liebe angedeihen lassen, die sie brauchen, um genug Geborgenheit zu spüren.  Zuerst muss man geben, dann muss man lernen, sich zurückzunehmen.  Erst aus der gleichberechtigten Distanz heraus kann man später hoffen, genügend rückfließende Liebe von den Kindern zu bekommen, um ein würdevolles Alter mit Unterstützung durch die Kinder erleben zu können.

Im Zwilling soll der Mensch sich bemühen um den Erwerb einer sauberen Moral und um die Bekämpfung niederer Triebe, welche immer die Kehrseite der Begabung durch hohe Verstandeskräfte darstellen.

Im Krebs soll der Mensch seine Seele schützen lernen vor Auszehrung, wenn nämlich die einzig erfolgreiche Seelennahrung fehlt, die Nächstenliebe.  Eine Seele gedeiht am besten, wenn sie damit gefüttert wird, aber auch selber lieben kann, dann wird die Seele gesund.

Im Löwen soll der Mensch seine angeborene Faulheit überwinden, indem er Verantwortung übernimmt für die Erbringung des Unterhaltes.

In der Jungfrau geht es um die Bekämpfung des Egoismus, den man am besten in die Flucht schlägt durch zuverlässige Pflichterfüllung

In der Waage soll der Mensch verzichten auf die Auslebung seiner aggressiven Triebimpulse zugunsten eines freundlichen Umgangsstils.

Im Skorpion wird vom Menschen der Verzicht auf Rechthaberei erwartet, was man am besten üben kann, indem man seine Irrtümer freimütig zugibt.

Im Schützen soll der Mensch seine eigene religiöse Erfüllung nicht entwerten dadurch, dass er andere zu zwingen versucht, dasselbe zu glauben wie er selbst.  Jede gewalttätige Religionsvermittlung schadet letztendlich dem aggressiven Vermittler mehr, als er in seinem missionarischen Übereifer ahnt.

Im Steinbock soll der Mensch darauf verzichten, andere Menschen mit weltbildlichen Ideologien zu unterdrücken und zu knechten, weil er überzeugt ist, dass nur er allein die richtigsten Ideen zur Lebensführung vertritt.

Im Wassermann soll der Mensch verzichten auf Auslebung seines Herrschaftsanspruchs, mit welchem er seine Mitmenschen unter ein diktatorisches Regime zwingt.

In den Fischen soll der Mensch auf seine narzisstische Selbstüberhöhung verzichten und Andere nicht mit Konkurrenzverhalten überziehen, wobei Mobbing eine weltweit verbreitete diesbezügliche Variante menschlichen Fehlverhaltens darstellt.

Der Tierkreis ist die Lebensschule schlechthin.  Hier soll alles trainiert werden, was der Mensch zur Reifung braucht.  Schulen sind Lernstätten, in denen man auch Fehler machen darf.  Niemand muss sich deswegen schämen oder schlecht fühlen.  Jeder ist immer wieder ein Lernender.  Erkenntnis, Inspiration und erwachende Spiritualität sind die Instrumente, mit denen der Mensch unmerklich belehrt wird.   Hat man eine Aufgabe erfolgreich abgeschlossen, so kommt schon die nächste Herausforderung.

Der Tierkreis bietet  ein Abbildungssystem für jeden individuellen Menschen.  Erkennt er sich wieder in diesem psychologischen Spiegel, so darf er davon ausgehen, dass hier ein wissender Urgrund hinter dem Spiegel aufleuchtet und den, der die Begegnung zulässt, mit Zuversicht erfüllt.