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Der kosmische Bildschirm als Zeitmesser und als Charakterspiegel

Das Firmament bietet ein einzigartiges, weil scheinbar unveränderliches Arrangement von konstanten Figuren in Form von Himmelskörpern, nämlich Gestirnen und Planeten.  Die Gestirne verharren in unendlicher Langmut als konstante Kulisse vor den sich schnell bewegenden Planeten, die als vereinzelte Himmelskörper ihre vorher berechenbaren Bahnen ziehen und dabei die viel weiter entfernen Gestirne vom irdischen Blickwinkel aus überqueren.  Damit wird schon deutlich, dass diese Konstellation nur aus irdischer Sicht existiert, aber eine andere hat der Mensch nicht zur Verfügung.

Nun bietet es sich an, diese Kulisse als Weltenuhr zu nutzen, quasi als Zeitmesser, wenn man nämlich das Firmament als riesiges Zifferblatt hernimmt, das man vereinbarungsgemäß in zwölf gleiche Felder unterteilt, wie eine Uhr.  Diese zwölf Felder sind bekannt als die zwölf Sternzeichen der Astrologie, auch Tierkreis genannt.  Jedes dieser Sternzeichen besteht aus einem astronomisch existierenden Gestirnskomplex.  Dass der astronomische und der astrologische Tierkreis nicht deckungsgleich sind,  wird hier nur am Rande erwähnt, es wurde vorher ausführlicher im Kapitel „Gott im Tierkreis“ beschrieben.

Anders als bei der irdischen Uhr wird dieses Zifferblatt in berechenbaren Zeitabständen von unzähligen Planeten überquert, was zunächst als unüberschaubares Gewirr imponiert, bei näherem Hinschauen aber mathematisch exakt vorherberechenbar ist.  Wiederum war es die Inspiration der Astrologie, welche eine begrenzte Auswahl der Planeten traf, um diese als zweite Struktureinheit einzubeziehen in die Funktion der Sternzeichen als kosmischen Zeitmesser.

Die dritte Struktureinheit neben Sternzeichen und Planeten ergibt sich erst rein rechnerisch durch die Drehung der Erde um ihre eigene Achse innerhalb von 24 Stunden.  Das bedeutet für den astronomischen Beobachter auf der Erde, dass von seinem Standort aus etwa alle zwei Stunden ein neues Sternzeichen am Horizont hochsteigt und sichtbar wird, nämlich innerhalb von 24 Stunden 12 Sternzeichen, dann beginnt der Zyklus von vorn und die Erde hat sich einmal um sich selbst gedreht.

Da es beliebig viele geografische Standorte auf der Erde gibt, ist es logisch, dass die Zeitabstände der aufgehenden Sternzeichen je nach Standort variieren, ob man z. B. vom Äquator oder von den Polkappen aus beobachtet. Auf diese Weise ergibt sich rein rechnerisch ein drittes Struktursystem, nämlich das Häusersystem, dessen Häuser als imaginäre Raumvorgaben neben den Sternzeichen diese überlappen, weil der geografische Beobachterposten an jedem Fleck der Erde andere Raumvorgaben erzeugt.

Damit wären die klassischen astrologisch gebräuchlichen  Struktureinheiten zur Zeitbestimmung auf der kosmischen Weltenuhr vollständig, jedoch keineswegs erschöpft.  In einem neueren Zeitbestimmungssystem werden mittlerweile auch die 360 leeren Gradstände des Tierkreises – gängige Definition für die Einheit der zwölf Sternzeichen – als vierte Struktureinheit mit einbezogen zur kosmischen Zeitbestimmung, was eine noch differenziertere Charakterisierung der einzelnen Zeitqualitäten ermöglicht.  Rein rechnerisch kann man mit diesem System von Minute zu Minute eine andere Zeitqualität bestimmen, indem man ständig jede planetarische Bewegung innerhalb der Sternzeichen und Häuser berechnet und mathematisch definiert.  Inhaltlich sagt das aber noch gar nichts.  Spannend wird dieses System erst durch eine Analogisierung jeder mathematischen Zeitqualität mit psychologischen Inhalten, weil darin erst kann der Mensch sein Spiegelbild erkennen oder andere auf sein soziales Sein bezogene Aussagen tätigen.

Um diesem Begehren entgegen zu kommen, hat der Mensch seit jeher psycho-soziale Analogisierungssysteme erdacht, die er in Relation setzt zu den mathematisch bestimmbaren Struktureinheiten der von ihm berechneten kosmischen Weltenuhr, wie oben beschrieben.  Nun gilt es nur noch zu wetteifern, welches analogisierende Deutungssytem die plausibelsten Bilder zeichnet, um die Fragen des orakelnden Menschen am besten zu befriedigen.

Hier allerdings scheiden sich die Geister, je nach Anliegen des Menschen.  In früheren Zeiten war es absolut üblich, diese Analogisierungen als Zukunftsschau zu benutzen, weil der Mensch seit jeher vorhersehen wollte, was ihm die Zukunft bringt.  Alle Kulturen waren hieran beteiligt, weil der Umgang mit astrologischen Systemen zwecks Zukunftsschau Kultur übergreifend üblich war.

Neben der ebenso traditionsreichen wie unseriösen Wahrsagerei gibt es einen weiteren, für rational Orientierte unakzeptablen Schwachpunkt in den klassischen Astrosystemen, dass diese nämlich den Aberglauben von der vermeintlichen Einflussnahme der Planeten vertreten.  Dieser Aberglauben ist ebenso unsinnig wie unausrottbar.  Planeten sind tote Himmelskörper und können mitnichten Einfluss nehmen auf menschliches Handeln und Fühlen. Jede anders lautende Behauptung  ist der unseriösen Magie zuzuordnen und verdient es nicht, ernst genommen zu werden.

Heute geht der Trend in westlichen Kulturen bei psychologisch orientierten, intellektuell anspruchsvollen Astrologen immer mehr dahin, Charakterologie in den Vordergrund zu stellen und auf die Zukunftsschau ganz  zu verzichten, was rational der einzig vertretbare Ansatz sein sollte. Trotzdem fragt auch hier der rational Orientierte zu Recht, wieso denn eine Übereinstimmung bestehen kann zwischen kosmischer Zeitqualität und charakterlicher Beschaffenheit eines Menschen.  Tatsächlich ist hier das Missing Link zu suchen, der spirituelle Quantensprung, ohne den eine sinnvolle Analogisierung nicht möglich wäre.  Wenn die Deutung der kosmischen Zeitqualität nicht nur unscharf und schwammig gehalten ist, wie in klassischen astrologischen Systemen unvermeidlich, sondern treffsicher und pointiert formuliert wird, wie in der neuen Tierkreismethode angeboten, dann muss es eine Instanz zwischen Himmel und Erde geben, die dafür sorgt, dass zur richtigen Zeitqualität nur die zum Thema passenden Charaktere geboren werden.  Es ist müßig, hier kontrovers zu diskutieren, vielmehr macht es Sinn, Reihenuntersuchungen mit Horoskopen  zu machen, um statistische Aussagen treffen zu können, ob da irgendetwas dran sein könnte.

An dieser Stelle muss man sich spätestens auseinander setzen mit den existierenden Deutungssystemen.  Dabei wird man feststellen, dass die klassische Astrologie nur über ein begrenztes, in der Aussagekraft unscharfes systemisches Repertoire  verfügt, das sich rekrutiert aus den klassischen Struktureinheiten wie Sternzeichen, Planeten und Häusern, wobei die Sternzeichen für Charakteranlage, innerhalb deren typische Verhaltensweisen liegen, die Häuser für Tätigkeitsfelder und die Planeten für Persönlichkeitskräfte stehen.  Genau genommen sind damit nur ganz einfache Aussagen möglich wie zum Beispiel „Sonne im Stier im neunten Haus“, wobei die Sonne für Lebenskraft, Lebensanliegen steht, der Stier für Charakterverhalten des bodenständigen Familienmenschen und das neunte Haus für den Ort der religiösen Orientierung.  Also, „Lebensaufgabe in der familiären Gestaltung und in der religiösen Orientierung“.  Diese abgespeckte Aussage ist relativ dünn, weshalb die klassische Astrologie es sich zur Angewohnheit gemacht hat, ihre Aussagen blumig auszuschmücken und ins Uferlose auszudehnen, was jedoch nicht wirklich zur qualitativen Aufwertung beiträgt.

Nun gibt es seit kurzem die Tierkreismethode, welche, wie oben erwähnt, die 360 leeren Gradstände des Tierkreises mit einbezieht in die Zeitqualitätsbeschreibung, was zu einer ungleich viel differenzierteren Aussage jeder einzelnen Zeiteinheit führt.  Hier werden 360 individuell sehr unterschiedliche psycho-soziale Aussagen angeboten, welche die Planetenstände auf jedem Gradstand zu jedem Zeitpunkt ganz differenziert charakterisieren.  Die oben zitierte Sonne könnte beispielsweise auf 1° Stier thematisiert werden durch die Aussage: „Ein Kind wird geboren“, ein ganz jugendliches Bild, oder auf  23° Stier „Ein Erwachsener reift in der verpflichtenden Bindung an sein erstes Kind“, ein Reifungsprozess wird hier sichtbar, oder auf 26° Stier  „Ein Erwachsener lernt altruistische Betreuung Abhängiger ohne Machtanspruch“, hier geht es zur Sache mit der Triebüberwindung, hier muss der unfertige Mensch etwas lernen, weil er noch ein Reifungsdefizit ausweist.  Mit diesem System sind hoch differenzierte Charakterbeschreibungen und Zuordnung typischer Lebensthematiken möglich, weit über den Möglichkeiten der klassischen Astrologie.  Damit erst wird die Zeitqualität der Weltenuhr wirklich persönlich und diffizil, wenn man sie nämlich mit diesem System analogisiert.

Tatsächlich passt dann nicht mehr jeder Mensch zu jeder Zeitqualität, was man an oben zitierten, sehr unterschiedlichen Aussagen unschwer ablesen kann.  Jetzt wäre es erforderlich, zwecks Qualitätskontrolle des Systems Reihenuntersuchungen durchzuführen, um abzugleichen, welche realen Charaktere mit welchen Lebensthematiken zu welchen Zeitpunkten geboren werden.  Sollte es sich wirklich erhärten lassen, dass Zeitqualität und Charakteranlage samt typischer Lebensthematik  übereinstimmen, dann wäre damit deduktiv der Beweis erbracht, dass eine übergeordnete Instanz, welche das Menschsein geistig begleitet, dafür sorgt, dass zur jeweiligen Zeitqualität nur die dazu passenden Charaktere geboren werden, was eine Entdeckung mit Sprengkraft wäre.  Ein atheistisches Weltbild ließe sich damit nicht länger aufrecht erhalten.