Blog

Der geheime Seelencode des Menschen und seine Entdeckung

Der Mensch ist auf der Suche nach sich selbst, wobei  eine selbstkritische Erkenntnisbereitschaft erst seit wenigen Jahrzehnten existiert, nämlich seit der Etablierung des Wissenschaftszweigs der Psychologie, die ihren Ursprung in der Seelenarbeit von Sigismund Freud genommen hatte. Freud hatte als erster postuliert, dass der Mensch sich in seinen Handlungen rekrutiert aus dunklen Antriebskräften, die aus seinem Inneren emporsteigen.  Dunkel insofern, weil sie bis dahin noch nicht ans Licht der Betrachtbarkeit herangeführt worden waren.  Freud entdeckte so die Triebnatur des Menschen, wobei ihm die Sexualität als besonders beeindruckende Triebkraft imponierte.

Der Mensch wird also getrieben in seinem Handeln von starken Kräften aus seinem Inneren, die ihm jedoch nur teilweise bewusst sind, eine ebenso wahre wie unbeliebte Feststellung, weil viele betont Rationale es vorziehen würden, ihr Handlungsspektrum für rein Vernunft orientiert zu halten und nicht etwa dominiert durch weniger schöne Motive wie Machtanspruch und dessen hässliche Folgeprodukte wie Rechthaberei, Konkurrenzdenken, Prestigesucht, Neid, Eifersucht, Habgier, Kritiksucht, Lust an der Zerstörung oder was sonst noch für unschöne Abgründe viele Menschen in unfaires Verhalten treibt.  Diese verdeckten Hintergründe menschlichen Handelns werden sorgsam kaschiert hinter scheinbarer Lauterkeit, weil es sich mit einem geschönten Selbstbildnis besser lebt als mit einem ehrlichen, seiner Tarnung beraubten.

Der Mensch steht also in seinem an Rationalität und Vernunft orientierten Verhalten einer Phalanx von irrationalen, trieborientierten Kräften gegenüber, die sein Verhalten beeinflussen und zu dominieren versuchen, und gegen die er einen ständigen, lautlosen Kampf  kämpfen muss, wenn er dann erkannt hat, dass er dadurch zumindest partiell negativ beeinflusst wird.  Der Mensch ist somit gar nicht völlig souverän Herr seines Tuns, sondern immer auch beeinflusst von internen Antrieben, die ihm nur teilweise bewusst sind.

Die Psychologie hat es sich zur Aufgabe gemacht, diese internen Antriebe des Menschen sichtbar zu machen, sofern sich der Mensch diesem Unterfangen stellt.  Der Mensch tut sich schwer, ehrlich zu sein mit seinen energetisch dominanten Impulsen, also mit dem Machtanspruch und allem, was daraus resultiert, weil diese Begehren keine moralische Anerkennung erfahren, sondern geächtet werden als überwindungsbedürftig.  Leicht hingegen fällt es ihm, seine schwachen Seiten zu präsentieren, die auf der leidvollen, depressiven Seite angesiedelt sind.  Hier erfährt er Akzeptanz und Würdigung seiner Schutzbedürftigkeit.

Neben der Psychologie existieren in vielen Kulturen traditionelle Orakelsysteme, die ursprünglich alle primär Handlungsanweisungen für den Menschen bereithielten, wie er sich in dieser oder jener Entscheidungsfrage zu verhalten hätte.  Die Astrologie ist eines der weltumspannenden, viele Kulturen durchziehenden Systeme, die sich im Altertum zur Aufgabe gemacht hatten, Entscheidungshilfe zu geben bei kniffligen Fragen, wo der Mensch sich seiner Entscheidungsfindung nicht sicher war.  Erst spät in der Neuzeit, gleichzeitig mit der Entstehung der Psychologie, begann auch die Astrologie sich in ihrer Aussagequalität zu wandeln, weg von der reinen Handlungsanweisung, letztere immer im Rahmen einer magischen Zukunftsschau, mehr hin zur Charakterspiegelung, was für das Bewusstsein des Menschen einen gewaltigen Sprung bedeutet.  Charakterspiegelung ist nur dann möglich, wenn der Mensch sein geschöntes Selbstbild aufgibt und ehrlich wird sich selbst gegenüber.  In diesem Sinne steht die gesamte Astrologie heute am Scheidewege zwischen der traditionell üblichen Wahrsagerei, wie sie früher gehandhabt wurde, und einer therapeutisch orientierten Beratung, wie sie sich therapiewillige Klienten wünschen.

An diese Stelle gehört die Erklärung des Begriffs „Horoskop“, d. h. Blick auf die Stunde, die Zeitqualität wird durch ein Horoskop gedeutet. Das Horoskop beinhaltet also sowohl die Ermittlung der Zeitqualität wie auch die Deutung derselben durch ein beliebiges Deutungssystem.

Die traditionellen Deutungssysteme ähneln sich alle in einer Hinsicht, sie kranken an einer Überladung mit diffuser Begrifflichkeit und schwammigen, unscharfen Aussagen, wodurch die zu überbringende Botschaft leidet.  Man kann sich aus dieser Überfülle des Angebots aussuchen, was passt und den Rest weglassen, dann passt es immer.  Das ist nicht wirklich befriedigend.

Astrologische Deutungssysteme haben alle eine mehr oder weniger große Nähe zur Spiritualität, weil es keine Treffsicherheit der Aussagen über das statistische Zufallsprinzip hinaus geben kann, es sei denn, aus übergeordneter Warte werden  Zeitqualität und Deutungssystem kongruent gemacht, und, was das allerwichtigste ist, es müssen passende Charaktere zur Zeitqualität geboren werden, die nämlich thematisch und energetisch abgestimmt sind auf die Zeitqualität, die bestimmt wird durch ein Deutungssystem.  Nur als Beispiel, ist die Zeitqualität definiert durch eine starke Aussage wie „Der Mensch dominiert seine Mitmenschen“, dann muss zu dieser Zeitqualität ein starker Charakter geboren werden, keine zart besaitete Mimose, während umgekehrt die Zeitqualität lautet „Der Mensch versinkt in der Verzweiflung“, dann muss ein energetisch belasteter Mensch sichtbar werden und nicht einer, dem alles gelingt.

Nun kennt aber die klassische Astrologie keine thematisch definierten Zeitqualitäten,  weil die 360 Gradstände im Tierkreis, welche die Zeitqualitäten bestimmen,  thematisch unbesetzt sind, leer.  Sie werden lediglich beschrieben durch den überquerenden Planeten, das angeschnittene Sternzeichen und die jeweilige Hausbesetzung, nicht aber durch eine qualitative Beschreibung des Gradstandes im Tierkreis, wie oben im Beispiel dargeboten. Damit wird sichtbar, dass die Aussagen der klassischen Astrologie zur Zeitqualität zu unscharf sind, deswegen aufwertbar sind durch zusätzliche Information, welche in der Klassik aber nicht geboten werden, nämlich durch die qualitative Beschreibung der einzelnen Tierkreisgrade.

Nun kommt natürlich mein Betrag zum Thema:  eine experimentierende Hausärztin –das bin ich –  schreibt neben ihrer Praxistätigkeit inspirativ spirituelle Reflexionen und systemkritische Texte zu bestehenden traditionellen Weisheitssystemen der Kulturgeschichte, in diesem Falle zur Astrologie.  So hat sie in einem großzügigen Bogen die traditionellen Struktureinheiten der klassischen Astrologie entrümpelt, gestrafft und präzisiert, und, das Wichtigste von allem, sie hat den leeren Tierkreis zum Leben erweckt, indem sie jeden der 360 Grade mit einer thematischen Beschreibung versah.  Diese thematischen Beschreibungen sind in sich fortlaufend, immer in dreißig Schritt Einheiten, entsprechend einem Tierkreiszeichen, wobei sie zwölf unterschiedliche Thematiken der menschlichen Beauftragung auf Erden definiert – nämlich die zwölf Tierkreiszeichen – und in jeweils dreißig Schritten entwickelt vom Naivzustand bis zur weisheitsvollen Vollendung.  Am Ende präsentiert der so bekleidete Tierkreis eine archaische Philosophie des Menschseins auf Erden, dargeboten in poetisch formulierten, kurzen  Aphorismen mit psychologisch-philosophischen Inhalten.

Nicht genug damit, dieses in sich schon wunderschöne, ästhetische Philosophiewerk  hielt noch eine Überraschung parat, es ließ sich nämlich sinnvoll verwenden in der Horoskoparbeit als analoges Deutungssystem für klassische Horoskopdatensätze.  Das Faszinosum daran ist die Treffsicherheit, ganz gleich, welchen Menschen man damit spiegelt. Es wird keine Zukunftsschau geboten, sondern ein gehaltvolles Bündel von 28 für diesen Menschen typischen psychosozialen Aussagen oder Lebensthematiken, die sich immer wieder in einem Leben wiederholen und anklingen und die, insbesondere bei Sonne und Mond, in Häuserplatzierungen vorgefunden werden, die ganz viel mit den zentralen Lebensanliegen des Psychogrammeigners zu tun haben.  Die einzelnen Beschreibungen enthalten meist zwei Komponenten innerhalb der  inhaltlichen Aussage, nämlich eine energetische und eine Handlung orientierte, z. B. „Der Mensch verwechselt Liebe mit Besitz“, der hier gespiegelte Mensch vermag wohl zu lieben, ist liebesfähig, aber er hat einen unangemessenen Machtanspruch dabei, der ihn fehlen lässt.

Die experimentierende Ärztin hat dieses erstaunliche Deutungssystem, das ihr heute noch wie ein großes Wunderwerk vorkommt, 1991 in schneller Inspiration niedergeschrieben an genau zwei Tagen, ohne nachzudenken und ohne zu zögern.  Erst danach hat sie die volle Dimension dessen, was ihr da geschenkt worden war, erkannt, zuerst die ästhetische und  philosophische Schönheit des Werkes, und dann allmählich in den folgenden Jahren die inhaltliche Stimmigkeit bei der Horoskoparbeit, die immer wieder neu verblüfft.  Hier ist ganz offensichtlich ein alles durchdringender Geist im Hintergrund tätig gewesen, der nicht nur jeden einzelnen Menschen ganz genau kennt ist seinen charakteristischen Lebensthematiken, sondern auch noch dafür sorgen kann, dass der passende Mensch zur passenden Zeitqualität geborgen wird.  Erst durch die Schaffung der Tierkreispsychologie ist diese ungewöhnlich treffsichere Horoskopdeutung möglich geworden, die entsprechend als Tierkreispsychogramm dargeboten wird.

Es ist schon sehr spannend, wenn man seine eigenen Planetenstände anschaut und in sich hineinlauscht, was die Schicksalsmacht hier wohl gemeint haben kann mit dieser oder jener Formulierung.  Wer sich nicht scheut, auch seinen Schwächen ins Auge zu blicken, kann sicher mit Inspiration und mit Interpretationshilfe aus dem eigenen Inneren rechnen, welche Erkenntnis bietet.  Das Faszinosum am System ist die Tatsache, dass offensichtlich ganz typische Lebensthematiken, die erst im Verlauf eines Lebens sichtbar werden für einen selber, schon bei der Geburt festgestanden haben und per Geburtspsychogramm – Horoskop – vorformuliert worden sind.  Die logische Konsequenz aus dieser Erkenntnis lautet, dass es eine alles überblickende, vorausschauende höhere Instanz geben muss, die in der Lage ist, diese Zuordnungen zu tätigen.  Oder traditionell ausgedrückt, das System trägt den Gottesbeweis in sich, den die Menschheit auf so vielen Ebenen durch die Zeiten hindurch immer wieder gesucht hat.

Was diese Erkenntnis zum Thema „Determination“ an weltbildlichem Zündstoff enthält, sei nur nebenbei erwähnt, weil damit sichtbar wird, dass viele konfliktträchtige oder leidvolle Erfahrungen bereits bei der Geburt vorgeplant sind, offenbar um das Lernprogramm einer Seele voranzutreiben.