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Astrologiekritik: Kontroverse Impulsastrologie – Qualitätenastrologie

Innerhalb der Astrologie konkurrieren zwei große Stränge miteinander,  nämlich die aktivierende  Impulsastrologie und die psychologisierende Qualitätenastrologie, wobei traditionellerweise die Impulsastrologie der ältere und immer noch durchsetzungskräftigere ist.

Unter Impulsastrologie versteht man ein Weltbild, innerhalb dessen ein magisches Kraftfeld imaginiert wird, das Einfluss nehmen soll auf die Geschicke und Handlungen der Menschen.  Man projiziert die Urheber der Kräfte auf die Planeten, welche vermeintliche Empfindlichkeitspunkte des Menschen berühren und aktivieren mit unterschiedlichen Impulsqualitäten im Sinne von optimierender Verstärkung oder Kräfte zehrender Irritation. Diese individuellen Empfindlichkeitspunkte werden seit Alters her imaginiert durch die Planetenstände zur Geburtsminute des Menschen, welche in einem Diagramm, dem Horoskop, aufgezeichnet und präsentiert werden.  Dieses Horoskop-Diagramm ist statisch und begleitet den Menschen lebenslang wie ein Fingerabdruck oder eine „Identity-Card“.  Die realen Planeten aber wandern im Außen wie auf einem riesigen Zifferblatt ständig weiter, das die veränderliche Zeitqualität anzeigt.

Projiziert man die wanderungsaktiven Planeten am Firmament  im Geiste oder auf dem Papier  auf die statischen Planeten auf einem Horoskop, so ergeben sich Schnittpunkte oder bestimmte Konstellationen, die ständig wechseln, was sich mathematisch genau voraus berechnen lässt. Die traditionelle Astrologie nennt diese Konstellationen „Aspekte“ und misst ihnen magische Impulskräfte bei, als ob sie die statischen Planeten auf dem Papier – Horoskop – beeinflussen könnten. Diese statischen Planeten wiederum werden identifiziert mit der seelischen Anlage des Menschen, was als symbolische Vorstellung ja gar nicht falsch ist, sondern erst falsch wird, wenn man auf diesem Wege eine magische Beeinflussbarkeit durch die sie überquerenden Sterne unterstellt.  Genau an dieser Stelle gleitet die symbolisch zunächst richtige Arbeitshypothese der Horoskopsymbolik in naiven Aberglauben ab.

Auf diesem gedanklichen Konstrukt beruht die Impulsastrologie samt ihrer weltbildlichen Festlegung, dass Planeten Einfluss nehmen auf den Menschen.

Während die Impulsastrologie in oben erläutertem Verständnis für jeden rational denkenden Menschen unakzeptabel ist, findet der andere große Strang innerhalb der Astrologie auch von kritischen Geistern nachdenkliche Anhänger, nämlich die Qualitäten-Astrologie.  Der entscheidende Unterschied zur Impulsastrologie ist die Nachvollziehbarkeit mit den Mitteln psychologischer Logik.  Die Qualitäten-Astrologie versucht, den Menschen psychologisch zu identifizieren mit einem möglichst treffsicheren Konterfei, das ihm ähnlich sieht, und je ähnlicher es ausfällt, umso vertrauenswürdiger erscheint die zu Hilfe genommenes Methode, nämlich die Astrologie.

Nun krankt die traditionelle Astrologie an ein paar systemimmanenten Schwächen, die darin bestehen, dass sie zu wenig brauchbare Struktureinheiten vorhält, welche sich verwenden lassen zur Charakterisierung des Individuums, um ein einigermaßen scharfes Abbild damit zu erstellen.  Deshalb kompensiert die Astrologie diese Schwäche mit Überdehnung und Überladung der einzelnen Begriffe bzw. Überinterpretation der einzelnen Struktureinheiten, so dass ein ganz unscharfes Abbild entsteht, das immer alle Optionen offen hält in dem Sinne, dass es eine breite Wahlfreiheit der Interpretationen gibt, aus denen man sich das Passendste raussuchen kann, die weniger gut passenden Deutungen außer Acht lassend. Das aber befriedigt den kritischen Betrachter nicht wirklich, dass er so viel Kompromisse braucht in der Horoskopdeutung, dass er immer bereit sein muss, alles das, was nicht zutrifft, auszublenden.  Lässt er sich dennoch darauf ein, dann scheint ihm das Abbild zwar passabel, aber er verdrängt, dass so und so viel eben nicht zutreffend war. Darin liegt sicher auch der Grund, dass auch die Qualitäten-Astrologie, nach der traditionellen Methode gedeutet, sich in der gängigen psychologischen Beratungspraxis nicht durchsetzen kann, weil rationale Psychologen sich gestört fühlen durch die Schwammigkeit und Uferlosigkeit der Interpretationspraxis, die auch in der Qualitäten-Astrologie immer noch vorherrscht.

Nun gibt es seit 1991 eine präzisierende Deutungsmethode, welche sich nur der Qualitäten-Astrologie zuwendet, nämlich die Tierkreispsychologie, die ein neues Deutungssystem vorhält, das sich einer bislang brach liegenden Struktureinheit bedient, nämlich der 360 Grade im Tierkreis.  Sie belebt den bislang ungenutzen Tierkreis, um jedem einzelnen Grad eine fortlaufende, sich logisch entwickelnde Kurzbeschreibung zu geben, die zwölf (zwölf Sternzeichen!) archaische Menschheitswege mit jeweils dreißig thematisch beschriebenen, chronologischen  Schritten entfaltet, in welchen sich jeder Mensch auf seiner Entwicklung vielfach wieder erkennt. (12 x 30 = 360°)   Dieses noch gänzlich unbekannte Tierkreisdeutungssystem hält gleich zwei Neuerungen parat, zum einen entfaltet es eine archaische Philosophie des Menschseins auf Erden auf, sehr poetisch formuliert, und zum anderen lassen sich die Etikettierungen der einzelnen Tierkreisgrade ganz vortrefflich zur Horoskopdeutung verwenden, indem sie bei jedem damit gedeuteten Radixhoroskop ein verblüffend treffsicheres Spiegelbild des Datengebers zeichnen, viel präziser und viel klarer, als die traditionelle Horoskopdeutung es in ihrer Qualitätenanalyse vermag.

Der grundsätzliche qualitative Unterschied zur immer noch sehr verbreiteten Impulsastrologie ist die psychologische Nachvollziehbarkeit der darin übermittelten Botschaft über die typischen Lebensthematiken und charakteristischen Verhaltensweisen eines Menschen.  Damit ist das System erhaben über die rational berechtigte Kritik am Aberglauben der Einflussnahme der Sterne, denn wenn das Spiegelbild zutrifft, braucht man nicht mehr zu diskutieren.  Man kann allenfalls über die Frage der Determination nachdenken, ob nämlich bestimmte Formulierungen im Radixhoroskop auftauchen, weil man so ist, oder ob man geformt wird von der Dominanz der Orakel – Tierkreisetikettierungen – im Radixhoroskop.  Auch an dieser Stelle jedoch muss man konsequenterweise der rationalen Überlegung den Vorrang geben, dass man immer nur zu der Zeitqualität geboren wird, unter welche man mit seinen charakteristischen Anlagen auch passt und umgekehrt.  Also auch hier keine Einflussnahme der Orakel – Tierkreisetikettierungen – auf den Charakter (Impulsastrologie!), sondern umgekehrt, der Charakter wird nur dann geboren, wenn seine Anlage mit der Zeitqualität übereinstimmt.

Reflektiert  man die Konsequenz dieser lapidaren Feststellung, wo wird ganz schnell klar, dass dieses Phänomen nur unter einer einzigen Bedingung Realitätscharakter haben kann, wenn man nämlich die Existenz eines waltenden Gottes unterstellt, denn irgend jemand muss ja dafür sorgen, das Zeitqualität und dazu passende Geburt übereinstimmen.  Oder andersherum, es kann nicht jeder Charakter zu jeder Zeit geboren werden.  Damit überschreitet auch die Qualitätenastrologie endgültig die Grenze atheistischen Denkens, denn ohne Gottes Einwirkung wären diese Annahmen irreal.

Noch einmal zum Unterschied zwischen Impuls- und Qualitätenastrologie:  Während die Impulsastrologie ein multifaktorielles Magiesystem instrumentalisiert, benötigt die Qualitätenastrologie zum Funktionieren einzig und allein  die gezielte Einwirkung Gottes, nämlich passende Geburt zur passenden Zeit.  Die Überprüfbarkeit der Impulsastrologie ist praktisch nicht gegeben, weil völlig diffus, hingegen die der Qualitätenastrologie schon, weil biographisches Verhalten und Charakter mit einfachen  psychologischen Kriterien  abgleichbar sind mit der jeweiligen Zeitqualität, gedeutet nach der Tierkreismethode.  Zwischen beiden Denkansätzen hier  – traditioneller Impulsastrologie und dort psychologisierender Qualitäten-Astrologie -besteht aus diesem Blickwinkel ein regelrechter Dimensionensprung.