Blog

Astrologie zwischen magischer Verstrickung und übersinnlicher Seelenoffenbarung

Die Crux mit der Astrologie ist ihr schlechter Ruf, den sie sich irgendwie natürlich auch verdient hat, aber er existiert nun mal und verhindert oft eine vernünftige Diskussion zum Thema, weil viele Leute ein derartiges Vorurteil haben, dass sie nicht bereit sind, ein ernsthaftes Gespräch hierüber zuzulassen.  Tatsächlich hat die klassische Astrologie, die als einer der Eckpfeiler der Esoterik gilt, viel dazu beigetragen, dass sie von intellektuellen, rational Orientierten nicht ernst genommen und in die hinterste Ecke unseriöser Magie verbannt wird.  Was sind denn nun die Todsünden dieses immerhin uralten Weisheitssystems, das sich durch alle Zeiten und Kulturen hat halten können ohne unterzugehen, und sich auch heute noch großer Beliebtheit erfreut?  Die Verkaufszahlen und die Frequentierung einschlägiger Angebote in fast allen Zeitungen sprechen für sich, denn trotz aller Verachtung will sich niemand dieses Geschäft entgehen lassen.  Man spricht nicht gern drüber oder nur hinter vorgehaltener Hand, aber es gehen mehr Leute zum Astrologen, als man denken sollte.  Es ist erstaunlich, wie viele heimlich erstellte Horoskope in den Schubladen der Leute ruhen, mehr als man ahnt.

Was macht denn die klassische Astrologie, das sie so angreifbar erscheinen lässt, jedenfalls in den Augen derer, die etwas auf ihre Vernunft geben?  Man muss einen Blick in die Vergangenheit tun, um die Tradition dieser Zunft zu verstehen, die abzuschütteln ihr auch heute noch nicht gelingt, weil die Kundschaft immer  noch diese Botschaft hören will.  Früher wurde der Astrologe ausschließlich befragt, um Antworten über die Zukunft zu gewinnen, Weissagerei und Hellsicht waren die vorherrschenden Domänen.  Man glaubte immer schon, dass Zeitqualität unterschiedlich begünstigend oder eben benachteiligend  angelegt sei, und genau dazu sollte der Astrologe Auskunft geben.  Das tat er dann auch ausgiebig, seine Machtstellung auskostend, die sich ihm dadurch unversehens eröffnete.

Wie aber generierte er seine Antworten, wenn er seriös genug war, sie nicht gleich aus dem Kaffeesatz zu lesen?  Er bestimmte die Zeitqualität der befragten Stunde anhand des Horoskopdatensatzes, die bei richtiger mathematischer Berechnung in allen Astrologieschulen gleich sein muss.  Horoskop heißt zunächst nichts weiter als „Blick auf die Stunde“, noch ganz ohne Interpretation.  Diese Zeitqualität wird definiert durch den Stand der Gestirne zu befragtem Tag, Stunde und Minute am definierten Ort, wobei sich diese Zeitqualität nämlich durch die Beweglichkeit der Planeten in der fortschreitenden Zeit ständig wandelt.  Die so ermittelte Zeitqualität wird nun analogisiert zu bestimmten Deutungssystemen, die wiederum variieren je nach kulturellen Hintergrund.  Hier fängt die Magie erst an, denn Zeitqualität ist eine mathematisch definierbare Größe, erst die Interpretationen machen sie angreifbar, wenn diese sich unseriöser Deutungen bedienen.  Das allerdings hat die Astrologie mit Hingabe getan und tut es heute noch.

Um es kurz zu machen, sie projiziert unerlaubterweise jede Menge magische Kräfte in ihr Struktursystem, als da sind die Planeten, die Gestirne und die Konstellationen, welche diese zueinander besetzen, je nach wandelnder Zeitqualität.  Es ist unseriös zu behaupten, dass Planeten lebendige Körper seien, die Einfluss nähmen auf das menschliche Leben, das ist schlichtweg Nonsens.  Die Aspektlehre ist hierbei führend.

Es ist ebenfalls unseriös zu behaupten, dass Sternzeichen prägend seien für Charakterausbildung, das ist einer der am weitesten verbreitete Aberglauben weltweit.  Es kann nicht sein, dass im Widder nur dynamische, durchsetzungsfähige und willensstarke Typen geboren werden, hingegen im Stier nur phlegmatische, zurückhaltende, familienorientierte, während die im Zwilling geborenen sanguinisch, eigenwillig, schwer zu fassen sind, usw. wie die gängigen Klischees es vorgeben.  Der gesunde Verstand sagt einem schon, dass es so nicht sein kann, weil Mutter Natur das nicht mitmacht, die würfelt anders.  Aber, fast jeder glaubt an so was, unausrottbar.  Diese Küchenpsychologie ist stärker als jede Vernunft.

Und drittens, jetzt wird es tatsächlich schon kriminell, was die klassische Astrologie zu verantworten hat.  Sie behauptet, dass die Konstellationen der Planeten untereinander Kräfteauswirkungen auf den Menschen ausüben, und zwar  je nach Tages-, Wochen und Jahreswanderungen der Planeten, die dabei im Laufe ihrer „Progressionen“ die planetarische Geburtsminutenkonstellation des Klienten aktiv überqueren, ihn dadurch immer wieder  maßgeblich  beeinflussen.  Das ist Angst auslösend und für schlichte Gemüter eine Bedrohung, auf die man besser verzichten sollte.

Nicht jeder Astrologe arbeitet mit letzterem Instrumentarium, wohl aber mit der Aspektlehre und mit der Prägungsunterstellung durch die Sternzeichenzugehörigkeit.  Beide Ansätze bewegen sich an der Grenze zu Unseriosität, wobei die Aspektlehre bedrohlicher auf den Klienten wirkt als die bloße Unterstellung charakterlicher Prägung durch Sternzeichenzugehörigkeit, das ist vergleichsweise harmlos.

Astrologie ist am ehesten seriös, wenn sie nur auf der psychologischen Schiene arbeitet mit dem Ziel „erkenne dich selbst“, sobald sie sich auf das Glatteis der Unterstellung von Prägung durch planetarische Einflüsse begibt, muss man sie ablehnen.

Es gibt mittlerweile sehr seriöse Ansätze psychologisierender Astrologie, die trotz ihrer ausschließlichen Bedienung psychologischer Qualifizierungen den spirituellen Aspekt astrologischer Offenbarung nicht verloren haben, ganz im Gegenteil. Der klassischen Astrologie um Längen voraus, existiert mittlerweile ein ganz neuartiges Analogisierungssystem für Horoskopdatensätze, das mit einfachen psychologischen Etikettierungen arbeitet, mit denen ein Geburtsminutenhoroskop zu interpretieren ist.  Sie stammen aus der Tierkreispsychologie, die den klassischen Tierkreis mit seinen leeren Gradständen thematisch bekleidet hat, zu jedem Gradstand ein psychologisch-philosophischer Kernsatz.  Diese Tierkreispsychologie wurde, wie an anderer Stelle bereits beschrieben, 1991 von mir –  Katharina Lyncker – entdeckt und inspiriert geschrieben, sie beinhaltet ein psychologisch strukturiertes System archaischer Philosophie des Menschseins auf Erden, das sich in 12 mal 30 Schritten – gleich 12 Tierkreiszeichen – chronologisch aufbaut und 12 unterschiedliche Tätigkeitsfelder des Menschen darstellt.  Dieses Philosophiesystem ist nicht nur poetisch-ästhetisch  formuliert, sondern auch noch verwendbar als Deutungsschlüssel für Horoskopinterpretationen.

Das Verblüffende daran ist, dass die dabei entstehenden individuellen Menschenabbilder um vieles treffsicherer und authentischer sind als die herkömmlichen Horoskopdeutungen. Das neue System präzisiert und verkürzt die Unschärfe und Uferlosigkeit der traditionellen Deutungen zu prägnanten Kurzbeschreibungen der bekannten Struktureinheiten wie Planeten, Sternzeichen und Häuser, und gibt zusätzlich zu jedem Planetenstand eine qualitative Beschreibung in Form der oben beschriebenen Kernsätze.  Was dabei herauskommt, ist geradezu sensationell.  Sensible Seelenbilder von ganz erstaunlicher Authentizität sind so herstellbar von jedem beliebigen Menschen dieser Erde.  Man kann es nur an sich selbst und an seinen nächsten Lieben ausprobieren, um nachzuprüfen, ob es stimmt.  Es stimmt tatsächlich.  Es ist, als ob diese Seelenbilder einen geheimen Code der menschlichen Seele aufdecken würden, der in jedermanns Seele schlummert und sichtbar gemacht werden kann eben durch diese Methode der Horoskop-Interpretation nach der Tierkreispsychologie.